Behandelte Erkrankungen

Was ist Multiple Sklerose?

Die Multiple Sklerose (MS) ist die wichtigste demyelinisierende Erkrankung des Zentralnervensystems (ZNS - Gehirn und Rückenmark), die das periphere Nervensystem in der Regel völlig ausspart. Diese Erkrankung macht den Hauptanteil der Diagnosen in unserer Klinik aus.

Geographisch betrachtet gibt es ausgeprägte Unterschiede in der Häufigkeitsverteilung. Die MS tritt am häufigsten in den feucht-kalten Klimazonen Nordeuropas, Kanadas und der nördlichen Staaten der USA auf. Je mehr man sich dem Äquator nähert, umso seltener wird die MS.

Auf Gewebeschnitten zeigen sich regellos im Marklager verteilte Herde unterschiedlicher Größe und Gestalt, oft mit grau-brauner Verfärbung und derber Konsistenz. Dieser charakteristische Befund führte zur Namensgebung "Polysklerose" oder "multiple Sklerose". Der wesentliche mikroskopische Befund ist die Beobachtung, dass zunächst nur die Isolierschicht der Nerven im ZNS, die sogenannten Myelinscheiden zerstört werden. Im weiteren Verlauf, mit Abklingen der Entzündung, kann es zur vollständigen Reparatur des Markscheidendefekts kommen, aber auch zu einer Narbenbildung mit Verschlechterung der Nervenleitungsgeschwindigkeit oder, im ungünstigsten Fall, zum Untergang des Axons, dem stromleitenden Fortsatz der Nervenzelle.

Über die Ursache besteht immer noch Ungewissheit, aber als Hypothese ist eine Autoimmungenese allgemein akzeptiert. Bei genetisch disponierten Personen mit einer Störung der Immunregulation (verminderte Suppressorfunktion) soll ein unspezifischer infektiöser Erreger (z.B. ein Virus) als Starter eine überschießende Immunreaktion bewirken. Die entzündungsbedingte Zerstörung der Myelinscheiden setzt dann eine Autoaggression in Gang, die sich fortan selbst unterhält. Denkbar ist weiterhin das Auftreten von Kreuzreaktionen zwischen Antigenen bestimmter Krankheitserreger und Markscheidenproteinen. Die wichtigsten Argumente für die Autoimmungenese sind das gehäufte Vorkommen eines bestimmten HLA-Musters (HLA-DR2), das ungleiche Geschlechterverhältnis (Frauen:Männer = 2:1) sowie der Nachweis von autoaggressiven T-Zellen im Blut.

  • 50.000 bis 100.000 MS-Kranke in der Bundesrepublik Deutschland
  • 5 jährliche Neuerkrankungen pro 100.000 Einwohner
  • mittleres Erkrankungsalter: 20. bis 40. Lebensjahr
  • mittlere Krankheitsdauer zwischen 25 und 30 Jahre